in Bewegung kommen – innerlich: Bevor eine neue Bewegung außen sichtbar wird, wurde sie vielfältig innerlich vorbereitet.
Der Raum ist leer – so wie das Neue, auf das wir zugehen, nicht bekannt ist. Der leere Raum bietet keinen Anhaltspunkt für die Richtung, in die das Neue sich entwickeln kann, aber er gibt mit seiner Hülle Schutz: ein Schutzraum für das Betreten von Neuland.
Im Dach eines Schwenninger Hauses – wie sie typisch von Handwerksmeistern der mittlerweile untergegangenen Industrie für mechanische Uhren gebaut wurden, zieht neues Leben ein. Aus einer Bühne wird ein Raum: Schornstein, Holzstützen, Lattenverschläge und das Kehlgebälk weichen und geben Raum: Das verbliebene Gebälk wird weiß eingekleidet, einfache und klare Beleuchtung spendet abends Licht. Die Abwesenheit materieller Einrichtung lädt den Geist ein sich einzufinden. Ein traditioneller japanischer Papierschirm auf dem raumüberspannenden Träger ist ein Bild dafür, was der Raum spendet – Schutz. Jede innere Öffnung, geistiger oder emotionaler Art, bedarf seines adäquaten Schutzes.
Wer sich hier einfindet, hat sich irgendwann irgendwohin auf den Weg gemacht in sein eigenes Neuland und landet in einem leeren Raum. Außen schlicht und im Original belassen birgt das Haus das Architekturbüro von Walter Widmer, die Wohnung der Familie und den Dachraum von Cornelia Widmer, Tänzerin, Choreografin, Pädagogin, Tanztherapeutin. Während im Architekturbüro Gefäße für die kommende Lebensphase erdacht, in Form gebracht und umgesetzt werden und Häuser zum Wohnen und Arbeiten entstehen, erweitert sich im Zusammenwirken mit Cornelia Widmer der innere Horizont, werden Spuren in die Vergangenheit verfolgt und neue Räume abgetastet, erste Schritte gewagt in die Stille des Inneren wie in eine frisch verschneite Landschaft.
Um was geht es eigentlich – beim Bauen und beim Tanz? Ist es das? Fest mit beiden Füßen auf der Erde verankert und trotzdem schweben? Im Tanz bewegen wir uns mit dem Körper so, wie wir mit der Stimme singen – irgendwo sehr real und gleichzeitig noch auf einer anderen Ebene. Ist es eine höhere?
Sich aufrichten am Schopf, wie an einem seidenen Faden nach oben gedehnt, mit den Füßen bis tief in der Erde verwurzelt – das ist eine innere Grundübung als Vorbereitung auf Tanz, den Horizont nach oben und nach unten erweiternd, pulsierend mit jedem Atemzug.
Dem Raum, den wir mit unserer Bewegung umschreiben, eine Struktur geben: Rudolph von Laban bediente sich Raumformen wie des Würfels oder des Ikosaeders zur Beschreibung der Bewegungsräume des Einzelnen. In diesen gedachten Raumstrukturen unterscheiden wir oben-unten, vor-zurück und hin-her. Sich seines Bewegungsraumes bewusst zu sein schafft Überblick über das, was wir tun.
Noch einen Schritt weiter: wenn wir Wände und Decke um den Boden, auf dem wir stehen, bauen und gestalten, schaffen wir uns im Äußeren Spiegelbilder unseres Inneren.
Auf welchen Raum kommt es eigentlich an? Ist es die gespürte Sphäre um mich herum, in die ich mich hineindehne und die ich weit ausfülle? Oder ist es der verschwindend enge Raum um mich, der sich als Angst um mich legt und auch noch die Luft zum Atmen nimmt. Ich bin der Gestalter des Raumes, dem ich um mich herum Geltung verschaffe.
Aus der Stille geboren: die Stille – als Ausgangspunkt jeder Bewegung, jedes Tones, jedes Gedankens –
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